Regelmäßig besuchte Daniel seine Oma, ungefähr einmal im Monat. Er tauchte spontan auf, ohne Ankündigung und meistens war seine Oma auch alleine. Mit einem Kuchen bestückt und manchmal einem Blumenstrauß machte er ihr eine Freude und hörte sich ihre Geschichten und was ihr auf dem Herzen lag an. Daniel war Anfang zwanzig, seine Oma sechzig. Sie war lustig und aufgeschlossen und machte auch Späßchen mit. Sie war seiner Meinung nach besser drauf als seine Mutter, die einundzwanzig Jahre jünger war als ihre Mutter. Auch an einem Maitag machte sich Daniel wieder auf zu seiner Großmutter, diesmal hatte er nur Quarkbällchen im Gepäck, aber auch darüber freute sie sich.
Erst als er ihr Wohnzimmer betrat bemerkte er, dass sie Besuch hatte. Es war eine Frau, vielleicht ein bisschen jünger als seine Oma, dafür aber noch relativ gutaussehend und freizügig angezogen. Von ihren großen Brüsten zeigte sie sehr viel, es war ein ausladendes Dekolleté. Etwas Hüftgold besaß die ältere Frau, doch das stand ihr sehr gut. Das Gesicht war von einigen Falten gezeichnet, aber sie wirkte dennoch sehr frisch. Gut erzogen begrüßte Daniel die Frau, die sich als Magarete vorstellte und ihn offen anlächelte. Seine Oma erklärte Daniel, dass Magarete eine alte Freundin sei, die sie vor kurzen wieder getroffen hatte. Belustigt erzählten sie von früheren Zeiten, als sie – wie sie selbst sagten – noch jung und sexy waren und jedem Kerl den Kopf verdrehen konnten.
Daniel lauschte aufmerksam, denn davon hatte er seine Oma noch nie erzählen hören und Magarete hatte auch interessante Dinge über seine Oma in jungen Jahren zu berichten. Nie hätte Daniel beispielsweise gedacht, dass sie vor seinem Opa mehrere andere Kerle gehabt hatte. Magarete und die Oma lachten herzlich, als sie sich an einen erinnerten, der sich nicht zwischen ihnen beiden entscheiden konnte und so am Ende leer ausging, weil sie mit zwei älteren Jungs auf den Heuboden gegangen waren.




