Vor wenigen Jahren war ich eine einfach Hausfrau, die sich nichts leisten konnte. Ich verdiente mir nur als Zeitungsausträgerin etwas dazu. Das hatte den Nachteil, dass ich sehr früh aus dem Haus musste und ich war gezwungen mit dem austragen fertig zu sein, bevor meine Kinder wegen der Schule aufstehen mussten. Es war eine anstrengende Zeit, aber als Hausfrau darf man sich wenigstens am Nachmittag etwas ausruhen was für mich extrem wichtig war, denn täglich um drei Uhr aufstehen war wirklich kein Spaß. Meine Kids fanden es schlimm zu wissen, dass ich mitten in der Nacht aus dem Haus ging und sie allein waren. Aber mein Großer kümmerte sich liebevoll in dieser Zeit um seine kleine Schwester und bald hatten sie sich daran gewöhnt.
In der Nacht durch die einsamen Straßen zu wandern und in viele Briefkästen in noch einsameren Vorgärten, die höchstens mal vereinzelten Katzen scheu durchquert wurden, die Tageszeitung zu stecken, jagte mir oft einen ängstlichen Schauer den Rücken herunter. Ich fühlte mich unwohl, denn ich war eine Frau, die ziemlich zierlich war und sich wohl gegen einen starken, gewalttätigen Mann kaum hätte wehren können. Eines Nachmittags plauderte ich genau über diese Angst mit einem neu hinzugezogenen Mann aus meiner Nachbarschaft. Er erklärte mir, dass er in Frührente geschickt worden war und sich maßlos langweilte. Ob er mich begleiten dürfe, war die nächste Frage. Nach außen zögerte ich, doch eigentlich hatte ich auf diese Frage aus zweierlei Gründen gehofft. Zum einen, weil ich wirklich Begleitung haben wollte, zum anderen, weil er ein sehr anziehender Mann war.
So kam es, dass ich mich schon in der nächsten Nacht mit Jürgen traf und wir erledigten gemeinsam die Arbeit. Wir redeten wenig, aber beide genossen wir ein gutes Gefühl. Er, weil er gebraucht wurde und eine Beschäftigung hatte, ich, weil ich seine Gesellschaft genoss und nicht mehr das hilflos einsame Gefühl aushalten musste. Es stellte sich heraus, dass wir ein gutes Team abgaben und da blieb es zu meiner Freude nicht aus – zu seiner wohl auch – dass wir uns an den Nachmittagen oder auch zum Mittagessen trafen. Meine Kinder verstanden sich mit ihm nach der ersten Schüchternheit sehr gut und sagten ihm, dass sie es toll fänden, dass er mich in der Nacht beschützen würde.




