Freier gibt es solche und solche. Unbeliebt bei all meinen Nutten-Kolleginnen und bei mir ist die Sorte, die zu grob zur Sache kommt und uns mehr als zweckdienliche Gegenstände ansieht anstatt als Menschen – Frauen! – mit Empfindungen. Sicher, als Nutte darf man sich in seinem Job nicht viele Gefühle leisten, sonst kannst Du gleich einpacken. Dann zerbrichst du an diesem Lebensstil, denn Nutte bist du praktisch 24 Stunden am Tag, auch wenn du viel weniger Stunden davon Freier empfängst. Und nicht alles ist positiv. Doch zurück zum Thema, diese gefühlslosen Brocken sind nicht beliebt, genauso wenig ungepflegte Kerle, bei denen der Schwanz und der daran hängende Kerl seit Tagen kein Wasser mehr gesehen hat. Wenigstens muss man sich nicht mit jedem Kerl einlassen, der meint, er braucht mal fix Sex mit einer Hure.
Allerdings gibt es auch Freier, die möchte man als Nutte sehr gerne empfangen. Einerseits sind es ansprechende Männer, denn mit einem Kerl, der dir gefällt, mit dem macht auch die Hurerei noch mehr Spaß. Schließlich gibt es noch die ruhige Sorte von Freiern, die auch ich gerne bediene. Von ihnen gibt es mehr als man denkt, manchmal fühlte auch ich mich dabei eher als Psychologin als Nutte, weil der Großteil unserer gemeinsamen Zeit für Palaver drauf ging. Die irrsten Dinge erzählen sie dir. Einer von denen, die sich bei mir aussprachen, hatte einen ordentlichen Komplex wegen seiner sehr dominanten Mutter, die ihn trotz seiner sechsunddreißig Jahre bevormundete und ihm schon mehr als eine Beziehung vermasselt hatte. Klar, nach dem Quatschen hat man in neunundneunzig Prozent der Fälle auch Sex, doch das ist ja auch die eigentliche Dienstleistung, die wir Nutten anbieten, das Quatschen ist praktisch ein Zusatz-Service.
Jedenfalls gab es einen außergewöhnlichen Freier, der mich verwirrte und Prinzipien von mir über den Haufen warf. Auf der Straße wäre er mir wohl kaum aufgefallen, denn er war unscheinbar. Durch meinen Job als Nutte war das etwas anderes. Als er sich uns Huren anguckte, hatte er sehr schnell seine Wahl getroffen, ausgerechnet mich wählte er aus. In seinem billigen, abgenutzten Anzug begleitete er mich in mein Zimmer. Ich betrachtete ihn. Er hatte eine breite Nase, eine hohe Stirn und volle, aber nicht zu volle Lippen. Er war in etwa so groß wie ich, hatte ein kleines Bäuchlein, sah ansonsten aber in Bezug auf seine Figur normal aus. Wir setzten uns, ich bot ihm etwas zu trinken an, was er dankbar annahm. Als ich uns zwei Gläser Sekt besorgt hatte, stießen wir an.


