Der spitze Ruf seines Vornamens trifft Sven wie ein Peitschenhieb. Noch hält er die Türklinke des stadtbekannten Hauses mit den vielen schönen, bereitwilligen Damen in der Hand. Er ist sich auch sicher, dass seine Abgeschlafftheit Bände sprechen muss. Mit breitem Grinsen, eine Mischung von Macho und Unsicherheit, steht er seiner Schwägerin gegenüber. Deren Stimme peitscht schon wieder: “Sven, was treibst du in diesem Haus? Dass du dich nicht schämst.”
Unwillig wendet er sich wortlos ab, kann Petra allerdings nicht abschütteln. Bis zu ihrem Auto hört die Frau alles, was sie seit Wochen schon weiß. Ihrer Schwester, bis kurz vor der Entbindung ein ausgesprochenes Sexbündel, sind seit der Geburt ihres Töchterchens alle Empfindungen im Unterleib wie abgeschnitten. Und die Kleine ist immerhin schon neun Monate. Schlimm, die Schwester findet nicht einmal etwas dabei. Sie ist der Meinung, dass erst einmal alle Liebe ihrem Baby gehört. Petra weiß, die junge Mutter hat es schon wiederholt fertiggebracht, in allerschönsten Momenten aus dem Ehebett zu springen, wenn das Kindchen auch nur einen Ton von sich gab.
“Wenn du deine Frau liebst”, sucht sie zu besänftigen, “musst du ihr Zeit lassen. Das gibt sich auch wieder.”
“Bis dahin hab ich den Samenkoller”, wendet Sven bissig ein. Ohne eine Erwiderung auf dieses Argument, es sollte wohl mehr eine Entschuldigung für seinen Besuch im Freudenhaus sein, schiebt ihn die Schwägerin in ihren Wagen und sagt im versöhnlichen Ton: “Los, jetzt fahren wir zu mir. Du springst unter die Dusche und spülst erst mal den fremden Duft ab…oder willst du deine Frau auch noch verletzen?”

