Ich war ein Spätzünder, das muss ich zugeben. Als alle anderen Jungs bereits längst ihre ersten Erfahrungen hinter sich hatten und ihre ersten ernsthaften Beziehungen führten, konzentrierte ich mich voll und ganz auf mein Studium. Ja, ich galt immer schon als Streber und das war ich sicherlich auch. Mir fehlte gewissermaßen die Initialzündung für das Leben als sexuell aktiver, junger Mann. Aber mir mangelte es ja an nichts und ich bereue es nicht, dass ich meine ersten Erfahrungen mit zweiundzwanzig machte. Und zwar mit der Frau, die die Pension führte, in der ich während eines Sechs-Wochen-Praktikums bewohnte. Sie war schon etwas älter, also etwa fünfunddreißig, aber sehr attraktiv, wenn auch mit Ecken und Kanten.
In ihrer Pension hatte ich ein kleines, günstiges Zimmer gemietet. Es war sauber und jeden Morgen gab es Kaffee und Tee und frische Brötchen gegen einen kleinen Aufpreis. Abends saß ich nach dem Praktikum meist auf meinem Zimmer und schrieb meinen Bericht. In der zweiten Woche setzte ich mich nach unten in den Speiseraum. Keine Ahnung warum ich das getan hatte, mir war danach, weil ich mal etwas anders als die engen und bedrückenden Wände meines Zimmers sehen wollte. Als ich eine halbe Stunde dort in einem Technik-Magazin gelesen hatte, setzte sich Iris neben mich. So hieß meine Vermieterin. „Du hast nichts anderes zu tun als deine Nase in Bücher und Magazine zu stecken?“, fragte sie nicht schnippisch, sondern liebevoll und interessiert.
Ich blickte auf und stotterte. „Äh, nein. Abgesehen vom Praktikum habe ich nichts zu tun.“ Wie ein Idiot kam ich mir vor, aber Iris hatte etwas an sich, das mir meine Verlegenheit nahm. „Du willst auch nicht ausgehen? Ich habe kein Problem damit, wenn du dir ein Mädchen mit aufs Zimmer nimmst. So lange sie volljährig ist.“, lachte sie. Ich errötete. „Ich habe nichts mit Frauen zu tun, so wie Sie das meinen.“ Mit einseitig hochgezogener Augenbraue blickte sie mich an. „Du hattest aber schon mal eine Freundin oder wenigstens eine interessante Nacht mit einer?“, wollte sie indiskret wissen. Auch hierzu konnte ich nur verneinen und blickte auf meine Hände.




