Sibille war jung Witwe geworden und sie fügte sich in ihr Schicksal. Sie trauerte lange um ihren Mann, selbst nach sechs Jahren hatte sie es noch nicht richtig verarbeitet. Mit ihren fünfundfünfzig Jahren hätte sie noch arbeiten gehen können, aber sie sah es nicht ein, weil sie vermögend genug war, um als Hausfrau bestens über die Runden zu kommen. Es machte ihr auch Freude das Haus wie früher schön herzurichten, alles blitzeblank zu putzen und den Garten zu pflegen. Der Garten war ihr besonderes Schätzchen, wo sie sich richtig austoben konnte.
Dennoch war sie mehr oder weniger einsam. Abgesehen von Freundinnen pflegte sie keine Kontakte, schon gar nicht zu Männern, obwohl ihre Muschi nicht abgeneigt gewesen wäre. Elsa, ihre beste Freundin hatte sie schon oft dazu gedrängt, wieder unter die Leute zu gehen. „Vielleicht läufst Du ja einem Mann über den Weg, mit dem Du Dir eine Zukunft vorstellen kannst – oder wenigstens für eine Zeit mit ihm Spaß hast.“, wiederholte sich Elsa, aber Sibille wollte davon nichts wissen. Sie begnügte sich mit dem was sie hatte, auch wenn sie innerlich größere Wünsche hegte. Doch es wäre ihr wie ein Verrat an ihrem verstorbenen Mann vorgekommen, wenn sie sich auf einen anderen eingelassen hätte.
Da hatte aber Sibille nicht die Rechnung mit ihrer Freundin gemacht. Diese hatte sich mit anderen Frauen zusammengesetzt und sich über Sibille unterhalten. Schließlich kamen sie nach langem Gerede auf die Idee, für Sibille ein Blind Date zu besorgen. Mehr als in die Hose konnte es nicht gehen und die Frauen machten sich auf die Suche nach passenden Kandidaten. Eine Anzeige war schnell geschrieben und in die Zeitung gesetzt, aber viele der Bewerber fielen von Anfang an aus. Der Mann sollte Niveau haben, gut aussehen und genug Geld besitzen, dass er es nicht auf Sibilles Ersparnisse abgesehen hatte.




