Gerlinde, die sich kurz Linde nannte, trat aus der Dunkelheit und Kühle ihres Hauses. Die Sonne blendete sie und es dauerte einige Momente, bis sie sich an die gleißende Helligkeit der Sonne gewöhnt hatte. Es musste doch bei diesem Wetter ein junger Kerl aufzutreiben sein, der ihre Spinnweben an ihrer intimen Stelle stürmisch hinwegfegen könnte. Ihr Ziel klar vor Augen lief sie los in Richtung Park. Im Winter war sie einundfünfzig geworden, aber sie fühlte sich jünger und wohlwollende Meinungen schätzten sie auf Anfang, Mitte vierzig.
Ihr leichtes Kleid flatterte sanft im Wind und zeigte ihre schlanken Beine. Lediglich am Bauch hatten sich schmeichelnde Pölsterchen gebildet, die trotzdem deutlich von ihrer Brust überragt wurden. Auf dem Kopf trug sie einen breitkrempigen Sonnenhut, der sie vor der schon kräftigen Maisonne schützte. Ein kleines Täschchen, eine dunkle Sonnenbrille und ein breiter Gürtel ließen sie wie eine alternde Filmdiva wirken, die ihre erotische Ausstrahlung bewahrt hatte.
Tatsächlich war sie in jungen Jahren eine Tänzerin gewesen, die sich vor charmanten Annäherungen der Männer nur schwer bewahren konnte, und so hatte sie früher ein reges Sexualleben geführt. Bis sie sich mit einem sehr netten Mann vermählt hatte, der aber vom Leben dahin gerafft wurde und sie nun seit mehr als einem Jahr alleine leben musste. Sie vermisste die zärtlichen, zweisamen Stunden mit ihrem verstorbenen Mann, die oft auch sehr mittreißend und leidenschaftlich gewesen waren.



