Ihr kennt sicher erotische Rollenspiele. Aber das, was es normalerweise an solchen Sex Rollenspiele gibt, das ist gar nichts gegen das, was ich mal erlebt habe. Es war auf einer Party, die eine Freundin von mir veranstaltet hat – eine Kostümparty. Diese Kostümparty hatte sogar ein Motto – wir sollten uns als die Fantasiegestalt verkleiden, mit der uns am meisten verbindet. Ich hatte zuerst gar keine Ahnung, als was ich da gehen sollte. Endlich entschied ich mich dazu, mein Charleston-Kleid anzuziehen. Es war ein Kleid aus moosfarbenem Samt, das gerade mal bis zu den Oberschenkeln reichte, in einem schrägen Saum, und nur dadurch etwas länger wirkte, dass es dort ebenso wie oben am Ausschnitt lange schwarze Fransen hatte. Der Ausschnitt oben war genauso schräg wie der Saum, nur in die andere Richtung. Der Stoff verlief über die linke Schulter und dann schräg nach unten, unter den anderen Arm. Meine rechte Brust war gerade noch so dezent verhüllt. Dazu kam noch ein breites dunkelgrünes Stirnband, ebenfalls aus Samt, mit schwarzen Federn auf der Seite. Den passenden Pagenschnitt dazu hatte ich bereits. Dazu kamen noch schwarze Nylons mit Strapsen und goldene hochhackige Sandaletten, und fertig war das Charleston Girl.
Ich hatte schon oft davon geträumt, in den goldenen Zwanzigern gelebt zu haben. Eigentlich entsprach ich mit diesem Kleid ja nicht dem Motto der Kostümparty, denn die 20er Jahre sind ja Realität und keine Fantasie, aber ich war mir sicher, meine Freundin würde es da nicht so genau nehmen. Das tat sie auch nicht. Allerdings war ich die Einzige, die keine Fantasiegestalt verkörperte. Da war alles dabei – Gestalten aus Star Wars, Micky Mouse, Captain Jack Sparrow, Engel, Teufel, Vampire, Harry Potter und so weiter. Mit am faszinierendsten fand ich allerdings eine andere Gestalt. Derjenige – es musste ein er sein, denn er war über 1,90 groß und auch recht breit gebaut, das konnte keine Frau sein – hatte sich als Alien verkleidet, mit einem schwarzen Kapuzenmantel, der bis auf den Boden herab reichte, und einer typischen Alienmaske. Riesige Augen, schräggestellt, die ganz schwarz schimmerten, eine platte Nase und einem ganz merkwürdigen, schiefen, kleinen Mund.
Weil ich nicht alle Freunde meiner Freundin kannte, hatte ich keine Ahnung, wer dieses Alien sein könnte; sonst hätte seine Größe ihn ja verraten. Fasziniert war ich aber trotzdem von dieser Alienfigur. Das Alien war offensichtlich auch ohne Begleitung zur Party gekommen. Gut für mich – dann konnte ich ihn mir angeln! Also wartete ich nur auf eine Gelegenheit, mich ihm zu nähern, und die kam, als es ziemlich schnell mit dem Tanzen losging. Schnurstracks ging ich auf das Alien los und forderte ihn zum Tanzen auf. Er sagte nichts, nickte nur und nahm meinen Arm. Auf der Tanzfläche zeigte er, dass Aliens sehr gut Foxtrott beherrschen, aber es war total schräg, da mit ihm zu tanzen. Er sagte kein Wort – es gab an seiner Alien-Maske auch keine Öffnung für den Mund -, und die riesigen Alienaugen schienen mich die ganze Zeit anzustarren.




