Nichts ahnend betrat ich das Hotel, in dem die Konferenz stattfinden sollte. Nichts ahnend, was mir passieren würde. Ich checkte ein und traf bald auf bekannte Gesichter. Man quatschte, tauschte sich aus, freute sich auf die Vorträge und hoffte auf rege Gesprächsrunden. Doch zuerst musste etwas für das leibliche Wohl getan werden, auch ich war hungrig. Ich schlenderte mit zwei Bekannten in den Speisesaal, wir suchten uns ein Plätzchen, bestellten eine Mahlzeit und Getränke. Bis ich sie sah, war ich völlig entspannt. Auch solange ich nur ihre – wenn auch sehr ansprechende – Kehrseite zu Gesicht bekam, war ich locker. Blonde, lange Haare, im Nacken zusammengebunden, schmale Taille, süßer Hintern.
Als sich dieser blonde Engel umdrehte, war ich fasziniert von ihren grünen Augen. Sicherlich schaute ich ihr auf die Brüste, die deutlich unter der weißen Bluse hervorstachen. Aber ihre Augen, ihr Gesicht – es hatte etwas, das mich magisch anzog und ich konnte nicht beschreiben, was es war. Die blonde Versuchung steuerte direkt auf unseren Tisch, auf mich zu, sie sah mir in die Augen und fragte, ob sie sich zu uns setzen dürfe. Ich nickte, räusperte mich. „Ja, bitte. Gerne!“, platzte es aus mir leicht tölpelhaft heraus. Meine Konzentration war dahin, glücklicherweise waren die beiden anderen auch abgelenkt, so viel es nicht so sehr auf. Nach einer Weile entschuldigte ich mich für einen Augenblick, bevor ich auf die Toilette verschwinden konnte, meinte ich, dass mir die Schönheit zuzwinkerte.
Ich flüchtete in eine Toilettenkabine, zog mein Portemonnaie aus meiner Innentasche und betrachtete das Foto meiner wunderschönen Frau, um mich nicht zu verlieren. Marie war meine Liebe, mein Leben. Und doch schob sich das Gesicht der Frau im Speisesaal vor meine Ehefrau. Ich wusch mir kurz darauf das Gesicht mit kaltem Wasser, beendete mein Mahlzeit mit Beherrschung und versuchte ihr aus dem Weg zu gehen. Dies gelang recht gut, auch wenn ich sie hier und da von weitem sah. Als ich am zweiten Abend, den Kopf voller neuer Daten und Fakten, in den Hotellift stieg, schloss sich die Tür bereits, als sich eine Frauenhand in den Spalt schob. Die Türen öffneten sich nochmal – und die Blondine stand vor mir.




