Anabel konnte es nicht mehr aushalten, zusehen zu müssen, wie ihre Mutter Margot mehr und mehr vereinsamte und sich gehen ließ. Ihre Mutter war eigentlich eine lebensfrohe Frau gewesen, bis sich ihr Freund mehr als einen üblen Fehltritt in ihrer Beziehung erlaubt hatte. Als Florian das erste Mal fremdgegangen war, schmerzte es Margot, doch sie sagte sich, dass das einfach mal passieren kann. Dabei dachte sie an den einen eigenen Seitensprung Sex, den sie ziemlich zu Beginn ihrer Liebschaft mit Florian riskiert hatte, weil sie sich noch nicht ganz sicher war, ob er der richtige für sie sei. Und weil die Gelegenheit Liebe machte. Florian beließ es leider nicht bei seinem einmaligen Ausrutscher, Margot musste zu guter Letzt sogar ihren Freund beim Sex mit einer anderen in ihrem eigenen Bett erwischen. Das war eine Entgleisung zu viel, sie schmiss ihn raus, ungeachtet der vielen Jahre, die sie auch auf angenehme Weise verbracht hatten.
Obwohl Anabel gut mit Florian ausgekommen war, verstand sie die Reaktion ihrer Mutter und unterstützte sie so gut sie es vermochte. Ebenso wunderte sie sich nicht, dass Margot sich zuerst in ihren eigenen vier Wänden verschanzte und nur wenn es nicht anders ging die Wohnung verließ. Doch diese Sache nahm leider Ausmaße an, die nicht mehr als gesund zu bewerten waren. Als Hausfrau musste Margot kaum das Haus verlassen, höchstens um einen Einkauf zu tätigen oder um einen Arzt aufzusuchen. Selbst ihre Freundinnen besuchte Margot nicht mehr, geschweige denn einen Friseur. Dabei war Margot doch erst Anfang vierzig und somit attraktiv für einige Männer, die nur auf eine Gelegenheit und eine ansprechende Frau wie sie warteten.
Um dem Elend ein Ende zu bereiten, machte sich Margots Tochter die Mühe, nach Männer zu suchen, die Margot auf neue Gedanken bringen sollten. Und wenn sie nur mal wieder richtig schönen Sex haben würde, um sich erotisch begehrenswert zu fühlen. Anabel war sich sicher, dass sie auf diese Weise einiges erreichen könnte. Zwar mussten die Typen, die sich auf ihre Online-Anzeige meldeten, ihren Ansprüchen genügen und nicht durch ihr Kontrollmuster fallen, aber ansonsten war sie nicht zu wählerisch. Margot sollte schließlich selbst herausfinden, wer vielleicht für mehr infrage käme. So vereinbarte sie ein Treffen mit Jürgen, der schon ganz scharf auf das Kennenlernen mit Anabels Mutter war. Damit Margot eine gute Figur hermachte, zwang ihre Tochter sie dazu, einen Friseurbesuch auf sich zu nehmen. Im Anschluss shoppten sie neue, sexy Klamotten, Dessous und neue Schuhe.



