Als ich bei meiner besten Freundin Anka eintraf war ich überrascht, was für eine illustre Runde sich da zusammengefunden hatte. Es saßen neun Leute bei ihr im Wohnzimmer, es lief angenehme Musik und alle unterhielten sich recht lautstark. Ich schaute mich um und ich kannte alle mehr oder weniger gut, außer einer Person. Zuerst grüßte ich in die Runde und wurde auch von dem ein oder anderen begrüßt und umarmt, bevor ich mich neben Anka hinsetzte. „Wer ist denn das?“, fragte ich sie leise und schaute kaum merklich kurz zum Fremden. „Ach der, den hat Mike mitgebracht, ist ein alter Schulfreund von ihm.“, sagte sie beiläufig und schon war sie wieder in ein Gespräch verwickelt.
Mike reichte mir ein Bier. „Darf ich Dir vorstellen, das ist Toni, einer meiner besten Freunde von früher!“, rief er mir zu. „Hallo, ich bin Liddy!“, stellte ich mich selbst vor und prostete Toni zu. Toni war ein südländischer Typ mit dunklen Augen und einem markanten Gesicht. Unter seinen Klamotten verbarg sich offensichtlich ein sportlicher Körper und was soll ich sagen, ich war ihm zugetan. Gerade deswegen ignorierte ich ihn weitgehend und ich konzentrierte mich auf die Gesprächsthemen von Anka und Mandy, die sich über den neusten Klatsch amüsierten. Nur gelegentlich warf ich Toni einen Blick zu und lächelte ihn an.
Irgendwann stupste mich Mandy an und meinte, dass Toni mich die meiste Zeit beobachtete. Er quatschte zwar mit den anderen, aber es stimmte, er fixierte mich immer wieder für einige Sekunden und wenn ich ihn anschaute, schaute er entweder weg oder er grinste schief. Ein sehr verdächtiges Kribbeln machte sich in mir breit, aber ich warnte mich selbst. Ich wollte mich nicht auf jemanden einlassen, der in wenigen Tagen wieder verschwunden sein würde, wie ich aus den Unterhaltungen entnehmen konnte.

